“ Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an…“

….so beginnt ein sehr schönes Herbstgedicht von Peter Hacks, das dann mit folgenden Worten endet:

Die Blätter flattern munter
und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.

Egal, wohin schaue, der Herbst malt eifrig. Da wo einst gleichmässiges Grün die Äste schmückte, ziehen nun Gelb- und Rottöne eine Spur der Farbigkeit in die Flur. In den Gärten ziehen die orangigen Kürbisse die Blicke magisch an und Apfel und Birne, lassen sich freudig fallen. Schönheit über das Bisherige und Gewohnte  hinaus sendet nun  neue Reizimpulse zu mir. Ich mag die Schönheit des Herbstes. Auch wegen seiner kurzlebigen dafür intensiveren Farbexplosion, der Herbst ist Veränderung pur. Es ist, als wollte die Natur meinen Blick von der Tristesse der abgeernteten Feldern weg und hin zu den warmen erdigen gelb-rotigen Kompositionen lenken. Von Tag zu Tag wird´s bunter und schon ist´s wieder vorbei. Ja, wie heisst es so schön im Gedicht „Am Ende falln sie runter“. Es scheint, als kippt die Schöpfung noch einmal ne farbintensive Leuchtspur in die Natur, bevor das große Blätterfallen beginnt. Blätterfallen, Ernte,Früchte einsammeln.

 

 

 

 

 

 

 

Der Herbst lädt mich ein, zu begutachten, was aus meinen einstigen Samen geworden ist. Was hab ich gesät, was ist wie aufgegangen  und was ist für mich rausgekommen??? Was für  Früchte trage ich heim, was ernte ich. Nähren mich meine Früchte, sind sie süss, oder sauer, schmackhaft oder ungenießbar ,oder werfe ich sie auf den Kompost?

Der Herbst ist ein Gezeitenwandler, der Sommer ist nicht mehr, der Winter noch nicht. Ein paar warme Altweibersommerstrahlen zaubern den wunderschönen Farbglanz und vereinzelt kündet morgens schon der nebelkühle Hauch vom heraneilenden Gezeitenwechsel. Wandlung, wohin du schaust, die Pflanzen präsentieren ihre Frucht.Und nun wird es  sichtbar, fühlbar, schmeckbar, was du für Früchte erntest..deine ehrliche mutige  Herbsterfahrung ist deine beste Vorbereitung für die kommende dunkle Jahreszeit

Kürzlich leitete ich Seminar zum Gezeitenwandel: “ Herbstreife-die Kunst zu ernten“. Da ging es genau  um dieses ehrliche anschauen. Was nämlich an diesem Samstag in der Frauenrunde hochploppte, war, wie schnell wir doch oft bereit sind, konsumfreudig und prüfungslos  unsere „Ernte herumzuschleppen“. Ebenso, nehmen wir uns meist viel zuwenig Zeit, in uns ehrlich nachzuspüren, dem Wirklichen auf den innerlichen Grund zu gehen. Und darin offenbart sich das Dilemma unserer momentanen Zeit: der oftmals schon wahllose Konsum. Wir wählen nicht mehr weise aus, was wir wirklich haben wollen und was wir tatsächlich benötigen. Stattdessen lassen wir uns von Gewohnheitsautomatismen und äußeren Impulsen lenken, wir folgen, Ansichten, Gedanken oder Konzepte von anderen, ohne uns tiefer gehend zu hinterfragen. Was macht das mit mir, was ich da grad hab oder erfahre?, wäre eine gute ehrliche Frage, mit der du zu dir kommen kannst.

Und so, wie wir in der Welt wahllos nehmen, was uns geboten wird,  gehen wir dann auch mit uns um. Die Lernaufgabe an diesem Wochenende war, was machen meine geernteten „Früchte“ aus, sind sie für mich gut geeignet, kann ich was damit anfangen? Nähren sie mich ??? Sind sie hilfreich für meine nächsten Schritte, meine nächste Etappe? Sind faule dabei????Welchen ehrlichen Preis hab ich dafür gezaht???  Ist das, was ich jetzt ernte auch das, was ich glaubte gesät zu haben??? Was mach ich draus und wovon trenn ich mich doch lieber?…Erntezeit ist auch Zeit des Zurücklassens, des Kompostierens von all dem, was ich nicht mehr will.Und nach diesem ehrlichem Auswahlprozess war dann auch das große Loslassen am Sonntag mit viel freudigem Lachen in der Frauenrunde verbunden, im Herzen behielten wir all das, was uns Nahrung und neue Erkenntnisse gab und ins Feuer gaben wir was wir wirklich nicht mehr wollten….wie sagte doch Ivonne K. in der Abschiedsrunde: „Mein schönstes Geschenk, was ich mitnehme, ist diese Klarheit, endlich mal zu wissen, was ich will und was nicht.Wie im Aschenputtelmärchen, die guten ins Töpfchen und die schlechten ins Kröpfchen….dann gehts auch leicht mit dem Loslassen“

Die Lernausgabe des Herbstes ist die schonungslose Ehrlichkeit dir selbst gegenüber, denn nur dann kannst du auch klug und weise wählen, was du als nächstes willst. Wie außen auf den Feldern und in den Gärten, so auch in dir.  Es geht darum, ganz konkret zu überlegen, was man sich in diese kalte und karge Jahreszeit mitnehmen möchte. Jetzt ist es von großer Bedeutung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Alles was nicht wirklich benötigt wird, uns belastet, oder im übertragenen Sinne schon am verfaulen ist, darf und muss heute hinter uns gelassen werden. Es ist beinahe so, wie im Märchen „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ – Sortiere daher heute ganz klar aus und verabschiede dich von allem, was du in deinem Leben nicht mehr mitschleppen möchtest. Jeglicher unnötiger Ballast wird heute zurück gelassen. Gerne auch deine negativen Gedanken, uralte Themenkreise, und ähnliches.

Ich wünsch dir ein spannendes Sichten deiner Ernte und viel Mut für einen ehrlichen Blick darauf 🙂

Mit Liebe für dich geschrieben von

Angela

 

 

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